Windkraft im Wald: Landesregierung legt Zahlen offen
In Niedersachsen stehen derzeit 41 Windräder mitten im Wald. Bei rund 6250 Anlagen im Land ist das nicht einmal jedes hundertste. Doch die Zahl könnte steigen: 90 weitere Anlagen sind genehmigt, aber noch nicht gebaut, 80 warten auf ihre Genehmigung. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Uwe Dorendorf hervor.
Uwe Dorendorf (CDU) ist Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Niedersächsischen Landtages.Hannover/Wahlkreis 47 (Elbe). Wie stark wird in Niedersachsen Wald für Windenergie in Anspruch genommen? Welche Flächen sind bereits vorgesehen, wie viele Anlagen befinden sich im Genehmigungsverfahren und welche Rolle spielt dabei der Landeswald? Diesen Fragen ist der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Dorendorf mit einer parlamentarischen Anfrage an die Landesregierung nachgegangen. Die nun vorliegende Antwort des Landwirtschaftsministeriums liefert erstmals eine detaillierte Übersicht für die regionalen Planungsräume, die ihre Flächenziele für 2027 beziehungsweise 2032 bereits erreicht oder festgestellt haben.
Windräder im Wald sind bislang die Ausnahme. Niedersachsen zählt rund 6250 Windräder, nur 41 davon stehen im Wald. Das ist nicht einmal jedes hundertste. Doch das dürfte sich ändern. 90 weitere Anlagen im Wald sind bereits genehmigt, aber noch nicht gebaut, und für 80 liegt ein Antrag vor, über den noch entschieden wird.
Hintergrund ist eine Vorgabe des Landes. Jede Region muss bis 2027 und bis 2032 einen festen Teil ihrer Fläche für Windräder bereithalten. 14 Regionen haben die Vorgabe für 2027 oder sogar schon die für 2032 erfüllt. In diesen Regionen sind zusammen rund 32 000 Hektar für Windkraft vorgesehen. Etwa 3900 Hektar davon liegen im Wald, das sind gut zwölf Prozent oder weit mehr als 5000 Fußballfelder. Die Last ist dabei sehr ungleich verteilt. Fast der gesamte Wald, der für Windräder vorgesehen ist, liegt in nur drei Regionen. Im Emsland ist mehr als jede vierte Windkraftfläche Wald (2519 von 8990 Hektar), im Landkreis Osnabrück etwa jede sechste (789 von 4659 Hektar) und in der Region Hannover etwa jede elfte (491 von 5368 Hektar). In den übrigen elf Regionen spielt Wald kaum eine Rolle. Friesland, Wittmund, Wilhelmshaven und Schaumburg planen gar keine Windräder im Wald.
Der Landeswald, also der Wald, der dem Land Niedersachsen gehört, ist bislang wenig betroffen. Von den 41 Anlagen stehen 8 im Landeswald und eine im Bundeswald. Die übrigen 32 stehen in Wäldern von Kommunen und Privatleuten. Von den 90 genehmigten Anlagen liegt nur eine im Landeswald. Bei den 80 Anträgen sind es dagegen 16. Besonders hoch ist der Anteil der Waldanträge in der Region Hannover, dort liegen 15 von 41 Anträgen im Wald (37 Prozent). Im Emsland sind es 57 von 239 (24 Prozent).
Tabu bleiben sollen besonders alte Wälder. Gemeint sind Flächen, die seit mehr als 200 Jahren ohne größere Unterbrechung Wald sind. Nachgewiesen wird das mit historischen Karten aus dem 18. Jahrhundert. Windräder sind dort nach Angaben der Landesregierung in aller Regel nicht mit den Vorgaben des Landes vereinbar. Keine Antwort gibt es auf die Frage, wie viele Anlagen auf Flächen stehen, die durch Sturm, Dürre oder Borkenkäfer geschädigt wurden. Der Begriff sei nicht klar genug festgelegt. Kahle Flächen müssen laut Landesregierung ohnehin binnen drei Jahren wieder aufgeforstet werden. In dieser Zeit lasse sich kein Windprojekt planen, genehmigen und bauen. „Am Ende müssen wir genau hinsehen, wo Windkraft im Forst Sinn ergibt und wo nicht“, sagte Dorendorf.