Uwe Dorendorf

Motorschaden und Ausfall zeigen die Grenzen einer Fährlösung

CDU-Politiker Dorendorf nimmt Fährpannen zum Anlass für neue Fragen zur Elbquerung

Zwei Fähren, zwei Ausfälle: CDU-Landtagsabgeordneter Uwe Dorendorf fordert Antworten zur Zukunft der Elbquerungen und zur Streichung der festen Elbquerung bei Darchau/Neu Darchau.Zwei Fähren, zwei Ausfälle: CDU-Landtagsabgeordneter Uwe Dorendorf fordert Antworten zur Zukunft der Elbquerungen und zur Streichung der festen Elbquerung bei Darchau/Neu Darchau.

Hannover/Lüneburg. Nach dem schweren Motorschaden an der neuen Elbfähre „Amt Neuhaus-Bleckede“ und dem seit Ende Juni andauernden Ausfall der Fähre „Tanja“ fordert der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Dorendorf von der Landesregierung eine klare Antwort zur Zukunft der Elbquerungen. Mit einer Kleinen Anfrage will Dorendorf zugleich offenlegen, auf welcher fachlichen Grundlage die Landesregierung im zweiten Entwurf zur Änderung des Landes-Raumordnungsprogramms weiterhin daran festhält, das Ziel einer festen Elbquerung bei Darchau/Neu Darchau zu streichen und durch eine bedarfsgerechte Fährverbindung zu ersetzen. Die neue Fähre „Amt Neuhaus–Bleckede“ sollte nach den bisherigen Planungen noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Noch vor der endgültigen Abnahme kam es auf der Werft jedoch zu einem schweren, nach Angaben der MOIN GmbH irreparablen Motorschaden. Der für September vorgesehene Probebetrieb und die für Anfang Oktober geplante Inbetriebnahme können nicht stattfinden. Für den Ersatzmotor wird derzeit mit einer Lieferzeit von zwölf bis vierzehn Wochen gerechnet. Anschließend stehen weitere Erprobungen und die formale Abnahme an. Die Inbetriebnahme verschiebt sich damit auf das Jahr 2027.

„Ein solcher technischer Schaden ist weder der MOIN GmbH noch dem Landkreis Lüneburg anzulasten. Die Nachbesserung liegt nach Angaben der MOIN GmbH vollständig bei der Werft und dem Motorlieferanten. Der Vorgang zeigt aber erneut, dass auch eine moderne Fähre nicht die Verfügbarkeit einer festen Straßenverbindung gewährleisten kann“, erklärt Dorendorf.

An der zweiten Querungsstelle ist die Lage noch gravierender. Die Elbfähre „Tanja“ zwischen Neu Darchau und Darchau fährt seit dem 27. Juni 2026 nicht mehr. Anhaltendes Niedrigwasser lässt einen sicheren Fährbetrieb nicht zu. Hinzu kommen undichte Antriebe, die in einer Werft ausgetauscht werden müssen. Ausgerechnet der niedrige Wasserstand verhindert bislang auch die Fahrt zur Werft. Pendler, Unternehmen und andere Nutzer der Verbindung müssen damit seit rund zehn Wochen erhebliche Umwege in Kauf nehmen. „Zwei unterschiedliche technische Probleme an zwei Fährstellen führen gleichzeitig zu massiven Einschränkungen. In Neu Darchau kommt noch die Abhängigkeit vom Wasserstand hinzu. Das ist kein Vorwurf an die Betreiber, sondern eine nüchterne Beschreibung der systembedingten Grenzen des Fährverkehrs“, so Dorendorf. Erst im Mai hatte die Landesregierung gemeinsam mit den beteiligten Kommunen ein Handlungsprogramm mit 31 Maßnahmen für die Fährverkehre in Neu Darchau und Bleckede vorgestellt. Darin wurde angenommen, eine neue Fähre könne deutlich schneller in Betrieb genommen werden als eine neue Elbbrücke. Für die neue Bleckeder Fähre war damals noch eine Inbetriebnahme im Frühjahr 2026 vorgesehen. Zugleich räumt das Handlungsprogramm selbst ein, dass Fährausfälle aufgrund extremer Wasserstände sowie wegen notwendiger Wartungs- und Reparaturarbeiten auch bei neuen Fähren nicht vollständig vermieden werden können. „Das Handlungsprogramm enthält zahlreiche sinnvolle Maßnahmen, um den bestehenden Fährbetrieb zu verbessern. Verbesserungen an einem unverzichtbaren Übergangsangebot machen daraus aber noch keine dauerhaft verlässliche Alternative zu einer festen Elbquerung. Längere Betriebszeiten, bessere Hinweisschilder und optimierte Meldeketten helfen nur, solange eine Fähre überhaupt fahren kann“, betont Dorendorf.

Besonders erklärungsbedürftig ist aus Sicht des Abgeordneten, dass die Landesregierung ungeachtet der aktuellen Erfahrungen an der geplanten Änderung des Landes-Raumordnungsprogramms festhält. Noch bei der letzten Überprüfung des LROP-Ziels im Jahr 2022 war keine ernsthaft in Betracht kommende Planungsalternative zur festen Elbquerung gesehen worden. Inzwischen liegt für die Brücke seit dem 11. Mai 2026 ein Planfeststellungsbeschluss vor. Der Kreistag des Landkreises Lüneburg beschloss am 25. Juni 2026 mit deutlicher Mehrheit, die Baureife herzustellen, die Ausführungsplanung fortzusetzen und die Förderung zu beantragen. Die Kleine Anfrage Dorendorfs soll daher unter anderem klären, wie viele Stellungnahmen in den verschiedenen Beteiligungsstufen zur geplanten Streichung des Brückenziels eingegangen sind, wie sich diese auf Befürworter und Gegner der Änderung verteilen und welche fachlichen Argumente für die Beibehaltung der Zieländerung im zweiten Entwurf ausschlaggebend waren. Außerdem soll die Landesregierung darlegen, welche neuen raumbedeutsamen Tatsachen oder Erkenntnisse seit der Zielüberprüfung 2022 eingetreten sind und mit welchem Gewicht der Planfeststellungsbeschluss sowie die aktuelle Beschlusslage des Landkreises Lüneburg in die Abwägung einbezogen wurden.

„Die Bürgerinnen und Bürger haben einen Anspruch darauf zu erfahren, ob die geplante Streichung des Brückenziels auf neuen fachlichen Erkenntnissen beruht oder weiterhin hauptsächlich einer politischen Festlegung aus dem Koalitionsvertrag folgt. Die Landesregierung muss jetzt Farbe bekennen“, fordert Dorendorf. Die jüngsten Entwicklungen hätten die Kernfrage noch verschärft. Eine Fähre könne ein wichtiges und unterstützenswertes Verkehrsangebot sein, bleibe aber abhängig von Wasserständen, technischer Verfügbarkeit, Personal, Fahrrinnen und Anlegern. Eine feste Elbquerung stehe dagegen unabhängig von diesen Bedingungen rund um die Uhr zur Verfügung. „Das von der Landesregierung als dauerhafte Alternative zur Brücke favorisierte Fährkonzept ist zum Scheitern verurteilt, weil es die entscheidende Anforderung nicht erfüllen kann: eine verlässliche Elbquerung an jedem Tag des Jahres. Die Landesregierung sollte den Fährbetrieb als notwendige Übergangslösung stärken, ihn aber nicht länger zum Ersatz für die planfestgestellte Brücke erklären“, so Dorendorf abschließend.