Wildbienen schützen

Am vergangenen Donnerstag hielt ich eine Rede zum Schutz der Wildbienen. Hier gibt es das Ganze zum Nachschauen: https://landtag-niedersachsen-tv.im-en.com/index2.php?Nr=sitzung_18_21&date=2019-10-24

Hier die Rede im Wortlaut:

„Sehr geehrter Frau Präsidentin,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

bereits im Mai haben wir hier über den vorliegenden Antrag debattiert. Damals fünf Tage vor dem Weltbienen-Tag hat der werte Kollege Dirk Adomat vorgeschlagen, daraus gleich einen Feiertag zu machen. Diese Änderung hätten wir sicherlich noch in unseren Antrag einbauen können. Aber ansonsten ist das, was hier vorliegt, wirklich gut.

Aber Spaß beiseite: Wir wollen auch künftig blühende Wiesen und einen reich gedeckten Tisch – deswegen müssen wir alle Insekten, insbesondere aber auch die Bienen, schützen.

In Deutschland gibt es 560 Wildbienenarten, über 400 davon sind nestbauend. Das mit dem Nestbauen wird leider immer schwieriger, denn über 60 Hektar werden täglich in Deutschland überbaut. 197 Wildbienenarten in Deutschland sind inzwischen gefährdet,

31 Arten gar vom Aussterben bedroht.

Das sind Zahlen, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen, die sind bedrohlich, diese Entwicklung kann unser Ökosystem ernsthaft aus dem Gleichgewicht bringen.

Wir haben in unserem Antrag Maßnahmen entwickelt, die die Gefahr eines Bienen-Sterbens bekämpfen.

Und das muss ich auch nochmal betonen: Das Bienensterben zu bekämpfen bedeutet nicht, zeitgleich auch unserer Landwirte zu bekämpfen. Es gibt auch einen gangbaren Weg, der unsere Bienen schützt und unsere Landwirte nicht noch mehr belastet. Diesen Weg zeigt unser Antrag auf.

Für mich ist klar: In diesem Punkt werden wir den Landwirten ganz gewiss nicht schon wieder den schwarzen Peter zuschieben!

Ansetzen werden wir an anderen Punkten!

Unser Antrag setzt nicht nur bei einer einzigen Berufsgruppe an, sondern nimmt auch viele andere Akteure in die Pflicht.

Mein Blick richtet sich auf den privaten Garten: Dort werden reichlich chemisch-synthetische Plflanzenschutzmittel eingesetzt – zum Leidwesen der Wildbienen. Wie auch im Mai hier angesprochen, sind Schottergärten ein riesiges Problem. Die Gärten des Schreckens. Die kommunalen Bauaufsichtsbehörden sollten hier ganz klar häufiger tätig werden – §9 Abs. 2 der Niedersächsischen Bauordnung bietet die Rechtsgrundlage. Ich weiß, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass viele von Ihnen in kommunalen Vertretungen sitzen und gut vernetzt sind: Machen Sie bitte auf dieses Problem aufmerksam! Sage und schreibe 15 Prozent der deutschen Gartenflächen sind versiegelt.

Ich fordere: Schluss mit Beton, Schluss mit  Fliesen, Schluss mit Pflastersteinen – pflanzt Blumen und Wiesen.

Wir sollten also einen Zweiklang einleiten. Auf der einen Seite müssen wir Aufklärungsarbeit leisten. Wir müssen mit unseren Landwirten sprechen und Entgegenkommen einfordern. Wir müssen aber auch gegenüber Gartenbesitzern Aufklärungsarbeit leisten.

Einen klaren Fokus sollten wir natürlich auch auf Neubaugebiete richten. Die vorhandenen Vorschriften müssen, eingehalten werden, damit Schottergärten gar nicht erst entstehen.

Die Menschen, die immer nur auf die Landwirtschaft einprügeln, sollten ihren Blick vielleicht auch mal auf die Großstadt richten. Auch hier ist noch einiges an Luft nach oben, meine werten Damen und Herren.

Auch in Großstädten sollten mehr Blühflächen entstehen, Urban Gardening ist dabei ein guter Ansatz. Es muss überprüft werden, inwiefern Flachdächer bepflanzt werden können und auch Parks müssen genug Rückzugsmöglichkeiten für Bienen bieten. Ich weiß, dass es gerade in Großstädten viele kreative Ideen gibt – das sollten wir unterstützen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

unser Antrag ist durchdacht und wird einem multiperspektivischem Ansatz gerecht – er fordert alle relevanten Akteure zum Handeln auf. Ich empfehle, diesen Antrag so anzunehmen.

Vielen Dank!“