Den digitalen Wandel gestalten

Am 4. April nahm Uwe Dorendorf am Fachkongress zur
Raumordnungspolitik in Zeiten der Digitalisierung in Hannover teil. Wo sind die
Schnittstellen zwischen Raumordnungspolitik und Digitalisierung? Wo liegen
Chancen und Risiken digitaler Technologien für die Gestaltung der Zukunft
von Niedersachsens Städten, Gemeinden und Regionen? Mit diesen und weiteren
Fragen befasste sich der Fachkongress „Leitlinien der niedersächsischen
Raumordnungspolitik“ gestern (Donnerstag). Das Niedersächsische Ministerium
für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) hatte rund 150
Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Diskussion und zum Austausch von neuesten
Erkenntnissen und Strategien für die Regional- und Landesplanung ins Alte
Rathaus in Hannover geladen.
„Unser Ziel sind gleichwertige Lebensverhältnisse für alle Bürgerinnen und
Bürger, egal wo sie in Niedersachsen wohnen“, sagte die niedersächsische
Raumordnungsministerin Barbara Otte-Kinast bei der Eröffnung des Kongresses.
„Kein Raum dürfe beim digitalen Infrastrukturausbau und bei digitalen
Dienstleistungsangeboten benachteiligt werden. „Wir wollen den technischen
Fortschritt und den gesellschaftlichen, digitalen Wandel gestalten. Deshalb
diskutieren wir die Frage: Wie kann Raumordnungspolitik den digitalen Wandel
flankieren?“ Stefan Muhle, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium
für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung (MW), erläuterte die
Digitalisierungsstrategie der Niedersächsischen Landesregierung. Ziel sei
es, einer digitalen Spaltung des Landes von Anfang an entgegenzuwirken. Der
„Masterplan Digitalisierung“ gebe hierbei die Orientierung für die
Gestaltung und Förderung der digitalen Transformationsprozesse in
Niedersachsen. Uwe Dorendorf freut sich über Fortschritte: „Wir im Wendlandt wären von ungleichwertigen Lebensverhältnissen besonders betroffen.“ Rainer Beckedorf, Staatssekretär im ML, machte in seinem Vortrag deutlich,
dass sich die Positivwirkungen der Digitalisierung bei weitem noch nicht in
allen Lebensbereichen manifestiert haben. Digitalisierung könne jedoch unter
anderem Entscheidungsprozesse verbessern, Arbeitsabläufe erleichtern und
Planungen beschleunigen. Allerdings: Das fügt sich nicht von selbst!“, so
Beckedorf. „Vordenken und vorbereitendes Planen sind gefragt – und genau das
ist Aufgabe der Raumordnung.“ Weitere Impulsvorträge kamen von Gerald Swarat
(Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering IESE) sowie
von Marco Brunzel (Metropolregion Rhein-Neckar). Swarat ging insbesondere
auf Deutschlands digitale Regionen ein. Diese bräuchten „mehr als nur
digitale Infrastruktur“. Bunzel, Leiter des Fachbereichs Digitalisierung und
E-Government, ging anhand konkreter Beispiele darauf ein, wie die Chancen
der Digitalisierung für die räumliche Planung und Regionalentwicklung
genutzt werden können.
Diskussionsrunde zu Handel und Mobilität Am Nachmittag ging es
anwendungsbezogen weiter: Diskutiert wurden raumordnerische Aspekte der
Digitalisierung in Bezug auf Versorgungsstrukturen, Mobilität und Logistik.
Auf dem Podium nahmen hierzu auch Handelsexperten Platz, die zunächst das
veränderte Einkaufsverhalten und den Online-Handel in den Mittelpunkt
rückten. Wie kann die Raumordnungspolitik reagieren, wenn der stationäre
Einzelhandel seine Zentren bildende Kraft verliert und der virtuelle Einkauf
weiter zunimmt?
Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt baute schließlich auf den Ergebnissen
der Studie „Mobilität in Deutschland“, eine bundesweite Befragung von
Haushalten zu ihrem alltäglichen Verkehrsverhalten im Auftrag des
Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), auf. Auch
hier sieht sich die Raumordnungspolitik aktuellen Fragestellungen gegenüber,
die letztlich auch die Teilhabe vieler Menschen am gesellschaftlichen Leben
betreffen. Doch was wissen wir eigentlich über das Mobilitätsverhalten und
die Mobilitätsbedürfnisse des Einzelnen oder bestimmter Bevölkerungsgruppen?
Die Plenarsprecher waren sich einig, dass die digitalen Möglichkeiten der
Mobilitätserleichterung und die spezifischen Mobilitätsbedürfnisse der
Bevölkerung künftig besser in Einklang gebracht werden können.

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