Zielgerichtetere Investitionen nötig

Drückende Hitze und Trockenheit – obwohl bei vielen Landwirten die Nerven blankliegen, zeigt Willi Fabel ein Lächeln. Der Landwirt ist einer von wenigen Arbeitgebern in der Gemeinde Landsatz. Und obwohl auch er Unsummen für Futterersatz  aufbringen muss, ist der Betrieb mit 280 Milchkühen nicht gefährdet. „Wir haben Glück gehabt.“, sagt der Landwirt. Vor mehreren Jahren entschied er sich, zweigleisig zu fahren. Eine Biogasanlage sei jetzt seine Überlebensgarantie. Dennoch wünscht sich Fabel in vielen Punkten ein Entgegenkommen der Politik – vor allem die durch die Düngemittelverordnung erhöhte Lagerkapazität bereite dem Betrieb Schwierigkeiten.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Dorendorf folgt den Ausführungen des Landwirts aufmerksam. Dem Politiker bereitet die Situation der Landwirte große Sorgen, deswegen steht bei seiner zweiten Sommerreise durch den Wahlkreis sein Herzensthema auf dem Programm: Agrarwirtschaft. Insgesamt drei Betriebe mit verschiedenem Profil besucht Dorendorf – Der Hof in Landatz ist als erstes an der Reihe. Einen ganzen Tag lang ist der Wendländer in seinem Wahlkreis unterwegs, um die Situation der Landwirte besser einschätzen zu können. „Nicht nur die momentane Lage der Landwirte bereitet mir Sorgen. Betriebe werden seit Jahren gegängelt.“, beklagt der Abgeordnete. Er erhofft sich von seiner Reise Impulse, wie er in Zukunft Landwirten helfen könne.

Sorgen und Nöte – die werden ganz besonders auf der zweiten Station der Sommerreise deutlich: Ständig wechselnde Auflagen, Rechtsunsicherheit bei Haltungsbedingungen – Adolf Tebel aus Prezier kann eine ganze Sinfonie von landespolitischen Maßnahmen singen, die ihm das Leben in den vergangenen Jahren erschwert haben. „Vieles ist nicht nachvollziehbar.“, brüskiert sich der Sauenhalter. Dorendorf ermutigt, spielt auf den Regierungswechsel in Hannover an: „Die neue Landesregierung wird vielen Landwirten helfen.“ Tebel nimmt Dorendorf beim Wort und bringt gleich einige Vorschläge ins Spiel: Die betäubungslose Ferkelkastration muss bis zum 01.01.2019 umgesetzt werden, aber es fehlt ein klares Signal, welche Alternative die Betriebe umsetzen sollen. Auch eine Ausweitung des Agrarinvestitionsförderungsprogramms (AFB) werde dringend für den notwendigen Umbau der Tierhaltung benötigt. Es gebe zwar Fördertöpfe, doch die Kriterien seien wesentlich zu hochgesteckt, so dass die Mittel kaum zum Einsatz kommen.  Johannes Heuer, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, unterstützt die Ausführungen: „Die Unsicherheit aufgrund fehlender verlässlicher Rahmenbedingungen ist groß. Gerade die Junglandwirte brauchen eine verlässliche Perspektive. Neben der Perspektiven wurde auch über die anhaltende Dürre und die schwerwiegenden Folgen für die Bauern diskutiert. Dabei stellte Heuer klar, dass eine pauschale Forderung nach Geld keine zielführende Lösung sei. Den Bauern muss vielmehr eine grundlegende Hilfestellung und die politische Weichenstellung zur Selbsthilfe gegeben werden.“

Dorendorf nimmt die Kritik auf und will sie mit in den Landwirtschaftsausschuss nach Hannover nehmen.

Wie neue Wege in der Landwirtschaft aussehen können, erfährt Uwe Dorendorf bei Bio-Landwirt Christoph Schäfer. Der Wahl-Güstritzer wurde nicht in eine Bauernfamilie hineingeboren, sondern hat nach dem Studium und einigen Praxisjahren mit Herrn Dr. Jürgen Meyer einen Partner gefunden, um selbständig einen wendländischen Hof weiterzuführen. Das Konzept der GmbH&CoKG: Bioland-Ackerbau mit spezialisierten Gemüse-Kulturen. Unter anderem Schnittlauchballen, Möhren, Rhabarber und Sellerie wachsen auf insgesamt 350 Hektar Ackerfläche. Die Bio-Produkte werden auch an regionale Verarbeiter geliefert. Die Spezialisierung auf besondere Kulturen mit viel Handarbeit könnte die Zukunft darstellen – immerhin 15 Familien können von diesem Betrieb leben.

Damit auch andere Höfe dem Klimawandel standhalten, hat Dorendorf einige Ideen, die er gerne bei seiner Arbeit im Landtag umsetzen möchte: Einerseits müsse es mehr Investitionen für Innovationen bei der Beregnung geben. Andererseits müsse generell mehr Rechtssicherheit einkehren, damit Landwirte Planungsgewissheit haben. „Wir müssen alles tun, damit kein Landwirt aus unserem Landkreis seinen Fahrersitz im Trecker gegen den Wartestuhl im Arbeitsamt eintauschen muss.“

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